Do, 23. 01.:
Die Nacht im kleinen Hotel, bei der man noch ein Minimum an Vorsichtsmaßnahmen gegen nächtliche Besuche trifft, verläuft glücklicherweise ereignis- und alptraumlos, und alle sind erstaunlich ausgeschlafen und deutlich zuversichtlicher als zuvor.
Die Gruppe schaut im Polizeihauptquartier der Stadt vorbei, wo auch die Mordkommission untergebracht ist. Das Gebäude, ein großer aber schmuckloser Kasten, erweckt eher einen heruntergekommenen Eindruck als den von Macht. Auch die Polizisten drinnen lassen einen gewissen Dauerfrust erkennen, als ob sie sich der Hoffnungslosigkeit ihrer Aufgabe ind er Stadt bewußt wären.
Auch Raphael, der Detektiv, der mit Aguilars Fall betraut ist, wirkt nicht gerade wie jemand, der vom ewigen Sieg des Rechts überzeugt sondern eher kurz vor dem völligen Ausbrennen ist (aus Jimmys Sicht also ein Polizist mit Sinn für die Realität). Die Gruppe erklärt, für Gabriella hier zu sein, um Informationen zum Tod ihres Onkels einzuholen, da aufgrund ihres seelisch angeschlagenen Zustand unklar ist, ob sie überhaupt noch länger in Spanien bleiben will (und überhaupt, selbst nachfragen bringt sie derzeit nicht zustande).
Der Polizist weigert sich erst, Fragen zu beantworten, und will die Gruppe fortschicken ("das geht nur Gabriella was an"), trotz des Angebots, sich vom Notar identifizieren zu lassen. Alice kann dann aber ihre Erfahrung im Umgang mit Polizisten nutzen (da sie auch schon für die Polizei gerabeitet hat), um ihn doch noc umzustimmen.
Raphael gesteht, tatächlich mit seinem Latein und seinen Nerven am Ende zu sein, vor allem im Fall Aguilar. Er gibt Details über den Tod bekannt: Die Leiche wurde auf den Stufen der Kapelle des Heiligen Johannes von Nepomuk gefunden (Patron des Beichtgeheimnis, zu dem reuige Sünder kommen), der Kopf war abgetrennt am Altar, Augen und Mund zugenäht. Eine Analyse der Nähte hat ergeben, dass die modernen Fäden mit uraltem Salz verkurstet sind. Einstiche an den Armen, offenbar über 2-3 Monate hinweg, lassen auf Drogenkonsum schließen. Auch im Blut finden sich zahlreiche Spuren, nicht eindeutig identifizierbar, aber unter anderem mit Blut anderer Blutgruppen vermischt. Es wird vermutet, dass das mit einer neuen Straßendroge, Crimson Glory, zusammenhängt, auch wenn die Polizei noch kaum etwas über die neue Droge erfahren konnte.
Außerdem gab es Monate zuvor einen ähnlichen Mord in Toledo, wo ein prominenter und reicher Schmiedemeister verschwunden ist, und seine Freundin Martina ermordet auf den Stufen einer Kapelle gefunden wurde (der Kapelle des Patrons der Schmiedekunst). Ein offenkundig geistig Verwirrter hielt sie in Armen, der auch als Mörder identifiziert wurde, aber seitdem in einer Geschlossenen sitzt und kein Wort sagt (auch Raphael war ergebnislos dort). Der Schmiedemeister bleibt verschwunden, ebenso das einzige gestohlene Stück seiner millionenschweren Sammlung anitker Schwerter, ein mittelalterliches Breitschwert (persönliche Anmerkung: kein Begriff, den ein Historiker verwenden würde, aber egal, solange alle wissen, was gemeint ist), das alleine 3 oder 4 Millionen wert war.
Auf Nachfrage organisiert und Raphael für in zwei Tagen einen Termin beim zuständigen Detektiv in Toledo (wenige Stunden von Madrid entfernt).
Irgendwie läßt sich Raphael noch entlocken, in welchem Krematorium Aguilars Leiche verbrannt wurde. Die Gruppe schaut noch dort vorbei, und erfährt, dass Aguilar die Urne tatsächlcih selbst bereitgestellt hat, und verfügt hat, dass das Blei-Amulett, das er immer trägt, nach der Verbrennung zur Asche in die Urne gelegt werden soll.
Danach wird noch die Kapelle des Heiligen Johannes von Nepomuk "besichtigt", eine der vielen kleinen Kapellen ohne eigenen Priester. Es können dort jedoch keine weiteren Zusammenhänge festgestellt werden (zu Aguilars Asche passende Bibelzitate, zu den Ereingissen passende Sinnsprüche oder okkulte Symbole), jedoch sehen Jimmy und jemand anderes (ich habe vergessen, wer) eine seltsame Erscheinung: Eines der bemalten Fenster mit zwei Engeln scheint durch einen kurz hervorbrechenden Sonnestrahl quasi zu erstrahlen, die Engel erscheinen im harten Licht jedoch eher wie gnadenlose und unmenschliche Richter als wie Beschützer der Menschen.
Dann wird es noch einmal "interessant", als die Gruppe zu Aguilars Haus zurückkommt, um den Briefkasten nach einer Nachricht von Vega zu checken. Vega selbst steht vorm Haus und starrt es wie hypnotisiert an. Alice kriegt plötzlich einen Anfall, krampft die Hand um ihren Rosenkranz und schreit Jimmy an, was er denkt, sich mit so einem einzulassen. Dann macht sie Anstalten, Vega kurzerhand anzugreifen, trotz der ganzen Leute, die sie mittlerweile verstört anschauen.
Während die Zwillinge Alice zurückzuhalten versuchen, und sich zwsichen sie und Vega stellen, geht Jimmy, etwas ratlos, zu Vega hinüber, in der Hoffnung, die Situation über die Bühne bringen und Vega zu Gehen bringen zu können, bevor Alice endgültig die Beherrschung verliert. Vega, der die Szene bisher ignoriert hat, wendet sich schließlich vom Haus ab und Jimmy zu, und fragt ihn, was er über dieses Haus weiß. Jimmy, der sich der ganzen lauschenden Umstehenden bewußt ist, wiegelt (vorsichtshalber auf Englisch) nur vage ab, dass das Haus Bekannten gehört und er es gelegentlich als Briefkasten benutzen darf. Vega macht trotz seiner sonst ausdruckslosen Mimik mit dramatisch-süffisant-sadistischer Geste deutlich, dass er mit der Antwort nicht zufrieden ist, und bedroht kurzerhand Jimmys Leben. Ein paar Drohungen in der Szene kann Jimmy wegstecken, die gehören quasi dazu, auch wenn diese ganz offensichtlich sehr ernst zu nehmen sind.
Aber Jimmy möchte nicht noch mehr öffentliche Szene, und vor allem keinen öffentlichen Kampf (egal, ob Vega oder Alice anfäng; ersteres wäre ihm im Zweifelsfall noch lieber), oder überhaupt nur einen Kampf mit Vega, den Jimmy immer als extrem gefährlichen, gefühlslosen aber professionellen Soziopathen eingestuft hat. Daher appelliert er genau an diese Professionalität, und meint, dass dies gerade weder der geeignete Ort noch die geeignete Zeit sei, so etwas zu diskutieren. Zu Jimmys Erleichterung scheint Vega darauf einzugehen, drückt ihm den Zettel mit der Übergabe-Vereinbahrung in die Hand, dreht sich um und geht langsam und provokativ weg.
Alice, die weiter von hinten in Jimmys leise gehaltenes Gespräch hineingeschrien hat, kann sich nun endgültig nicht mehr beherrschen, zieht ein Messer und wirft es Vega hinterher. Zum Glück scheinen die meisten Leute sich mittlerweile angewidert von der Szene abgewandt zu haben, und zu noch mehr Glück verfehlt Alice Vegas ihr provokativ breit zugedrehten Rücken. Vega schaut noch einmal kurz zurück, und für einen Augenblick verwandelt sich sein absolut beliebiges Gesicht in eine Art Teufelsfratze. Dann zieht er von dannen.
Alice tobt noch etwas weiter, und scheint zwischenzeitlich kurz davor, auf Jimmy loszugehen, vor allem als dieser bemerkt, dass er ihr nicht nur aufgrund der Öffentlichkeit der Szene sondern auch aufgrund Vegas anzunehmender Gefährlichkeit eine Gefallen getan hat, Vega ohne Kampf loszuwerden. Er gibt unumwunden zu, dass er sich absolut nicht sicher ist, ob er selbst oder auch die ganze Gruppe mit Vega fertig würde, und dass er es nicht herausfinden will. Worauf Alice ihn anschreit, dass er sie massiv unterschätzt, dass ie mit Vega schon fertig geworden wäre, dass Jimmy ihn nie herführen und nie mit so jemandem auch nur hätte reden sollen und dass sich die anderen nicht hätten einmischen sollen. Sie scheint auch kurz davor, Jimmy zu demonstrieren, dass sie viel gefährlicher ist, als Jimmy sie einschätzt, und dass sie seine Andeutung, sie könne Vega nicht fertigmachen, als Beleidigung empfinde. Doch dann scheint sie nach ein paar weiteren Beruhigungsversuchen der Zwillinge der Kampfgeist fast schlagartig zu verlassen, und sie sinkt in sich zusammen. Die Gruppe sieht zu, von der Szene zu verschwinden.
Neue Hinweise, denen wir nachgehen können:
- Was hat es mit diesem Crimson Glory, der Droge, die offenbar Blut enthält, auf sich? Möglicherweise können da die Zwillinge wieder in einer Bar Kontakte knüpfen.
- Ein Besuch im archäologischen und geologischen Nuseum der Stadt, das auch die Analyse der Fäden in Onkels Kopf durchgeführt hat, um vielleicht mehr über das Salz zu erfahren (gab es früher Steinsalzabbau in der Gegend mit verlassenen Minen etc.)
- Ein Besuch in Toledo am Samstag, um mehr zum parallelen Fall zu erfahren (vermutlich hat das gezielt ausgesuchte, verschwundene Schwert was mit der Hinrichtung zu tun, und beide Fälle waren bei Kapellen vermutlich "zuständiger" Heiliger)
- Was zum Teufel (möglicherweise wörtlich) tun wir weiter in der Vega-Geschichte?